
Deutsches Schiffahrtsmuseum"Es hat sich in all den Jahren ein harter Kern herausgebildet, zu dem immer wieder andere, neue Interessenten hinzustoßen, und sie werden sofort und bereitwillig in die Familie integriert", beschreibt Stölting die Zusammensetzung der Gruppe. "Allen gemeinsam ist: Sie gehen sehr tolerant miteinander um." Auch an Anerkennung für dieses liebenswerte Hobby, das soviel Geschicklichkeit, Geduld und Präzision erfordert, fehlt es längst nicht mehr. Kartonmodelle sind mittlerweile auf manchen renommierten Ausstellungen und Messen vertreten, so zuletzt im baden-württembergischen Sinsheim und sogar auf der großen Modellbaumesse in Dortmund. Die Minischiffbauer, die auf dem neuesten Stand bleiben wollen, haben eben viel zu reisen. So neuerdings auch in die Niederlande: In Lelystad hat das Bremerhavener Treffen eine Nachahmung gefunden.
Auch nach Bremerhaven reisen die Experten für die "Schiffe aus Papier" vor allem deswegen an, um Erfahrungen auszutauschen und neue Techniken zu erlernen. "Die meisten Konstrukteure stellen ihre Baubogen inzwischen im Computer her und nutzen das Internet", berichtet Dr. Stölting. Einer, der sich darin auskennt, der Hamburger David Burkhardt, hat seinen Vortrag unter das Thema "Eigenes Gestalten von Modellbaubogen am PC" gestellt.
Die Reihe der Kurzreferate eröffnet am Sonnabend um 11 Uhr der Schweizer Dieter Nievergelt, der zum Thema "Die Ausstellung 150 Jahre Kartonmodellbau" spricht. Über "Das erste Jahr des J. F. Schreiber-Museums in Esslingen" berichtet dessen wissenschaftliche Mitarbeiterin Barbara Hornberger M.A. Den Schlußpunkt am Vormittag setzt Dr. Siegfried Stölting selbst, der die bisherigen Aktivitäten des Arbeitskreises "Geschichte des Kartonmodellbaus" vorstellt. Ein Ergebnis kann er den Teilnehmern sogar zur Ansicht in die Hand geben: die hundert Seiten umfassenden Realisierungsvorschläge für zwei Dokumentationsvorhaben - über die ab 1878 bis in die Gegenwart erschienenen Modellbaubogen und über Konstrukteure mit ihren Biographien.
Nach der Mittagspause geht es ins Detail, an einzelne Bogen. So hat sich Horst Brinkmann aus Bassum ein Flugzeug, "Die ME 108 Taifun. Entwicklung - Geschichte - Kartonmodell" vorgenommen, und Hans-Jürgen Krüger aus Berlin erstattet einen Baubericht über sein Modell "Sverige", ein norwegisches Passagierschiff. Später können die Hersteller von Modellbaubogen ihre Neuproduktionen präsentieren, darunter jener englischsprechende polnische Staatsbürger Alvar Hansen. Er ist Konstrukteur am Aue-Verlag in Stuttgart, der die Modellbaureihe von J. F. Schreiber übernommen hat. Am Sonntag vormittag stehen noch einmal sieben Kurzreferate auf dem Zeitplan. Das letzte bleibt wie seit Jahren schon dem Bremerhavener Amateurfotografen Wilhelm Offermann vorbehalten. Sein Thema diesmal: "Flottenbesuch und 'Norwegian Sky'". Am Ende des 12. Internationalen Karton-Modellbau-Treffens tritt der kleine, lose organisierte Arbeitskreis zusammen, der sich engagiert um die Aufarbeitung der Geschichte des Modellbaus bemüht.
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