Deutsches Schiffahrtsmuseum

Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V.

Presse-Info-Service


Info Nr. 06/03 vom 30.05.2003


Kulturgeschichte des Faszinosums Wal am DSM im Vorfeld der Internationalen Walfangkommission in Berlin

Sperrfrist: Sonntag, 1. Juni 2003

Weltweit gibt es nur zwei regelmäßige internationale Fachtagungen zur Kulturgeschichte der Beziehungen zwischen Menschen und Walen, und eine davon findet an diesem Wochenende am Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven statt. Veteranen des antarktischen Hochseewalfangs, Museumsleute, Sammler und Wissenschaftler verschiedener wal-verwandter Spezialgebiete tauschen beim „Sechsten Köln-Bremerhavener Walfangtreffen“ Forschungsergebnisse und Erlebnisse über das „Faszinosum Wal“ aus.

Ins Leben gerufen von dem Kölner Walfanghistoriker Klaus Barthelmess, finden die Tagungen alle drei Jahre abwechselnd in Köln und in Bremerhaven statt, inzwischen gemeinsam organisiert mit Dr. Uwe Schnall vom DSM. Immer decken die Themen ein weites Feld von den Wal-Mythen der Völker bis zur aktuellen Walfangpolitik ab. Diesmal widmen sich mehrere Vorträge der Verwendung von Walknochen in verschiedenen nordatlantischen Kulturen des Mittelalters und der Neuzeit, wobei der Bremer Sprachwissenschaftler Dr. Alfred Becker den Eröffnungsvortrag über ein angelsächsisches Walknochenkästchen mit einer magischen Runeninschrift hält. Weitere Vorträge über den Walfang der Basken, die europäische „Grönlandfahrt“, Pottwaldarstellungen aus fünf Jahrhunderten, die Technologie von Walfangstationen und Fangdampfern schließen sich an. Vor über einem halben Jahrhundert fuhr der Kieler Chemieprofessor Helmuth Dreizler als Praktikant auf der Walfangflotte des legendären Tankerkönigs Aristoteles Onassis und berichtet darüber. Zwei Beiträge zum interkulturellen Streit zwischen Walfanggegnern und -befürwortern schließen die Konferenz ab. Von besonderem Interesse ist dabei der Vortrag von Dr. Ray Gambell, der über 20 Jahre lang die Internationale Walfangkommission leitete, da diese Kommission im Juni erstmalig in Deutschland tagt, um über die Walfangquoten der kommenden Fangsaison zu beraten.

Lieder der Walfänger von vor 150 Jahren trägt der Leiter der Forschungsabteilung des Walfangmuseums in New Bedford (USA), Dr. Stuart Frank, den Tagungsteilnehmern nach einem reichhaltigen Bremerhavener Fischbuffet am Samstagabend vor.

335 Jahre nach seinem Ersterscheinen präsentiert das DSM in Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Maritim-Verlag De Bataafsche Leeuw das erste gedruckte deutsche Walfangjournal wieder der Öffentlichkeit. Es handelt sich um einen extrem seltenen Bremer Druck einer Hamburger Fangreise nach Spitzbergen und Nordnorwegen im Jahre 1667.

Während des Walfangtreffens wird im Vortragssaal des DSM die Sonderausstellung „Japanischer Walfang“ gezeigt, wo unter anderem eine elf Meter lange Bilderrolle zu sehen ist, die lehrbildhaft Walarten und Fanggerät der Walfanggemeinde Koza von zwei Jahrhunderten vorstellt, sowie ein großes Sortiment moderner Walfleischverpackungen.

Die Referenten des Sechsten Köln-Bremerhavener Walfangtreffens kommen aus Island, Spanien, Frankreich, England, den USA, den Niederlanden und Deutschland. Unter den rund 60 Teilnehmern aus zehn Ländern finden sich auch deutsche, niederländische und britische Veteranen des antarktischen Hochseewalfangs. Konferenzsprache ist Englisch.

Das Tagungsprogramm finden Sie beigefügt. Nähere Auskünfte erteilt der Leiter der Walfangabteilung des DSM, Dr. Uwe Schnall, unter Tel. 0471/48207-28 oder Email: schnall@dsm.de.

Die Veranstaltung ist nicht öffentlich. Bitte beachten Sie daher die Sperrfrist: Sonntag, 1. Juni 2003.
 

Tagungsprogramm anlässlich des Sechsten Köln-Bremerhavener Walfangtreffens im Deutschen Schiffahrtsmuseum:
 
Freitag, 30. Mai 2003 ab 15.00 Uhr Registrierung der Teilnehmer
ab 18.00 Uhr Gesprächsrunden im Museums-Café
Samstag, 31. Mai 2003 09.00 Uhr Registrierung der Teilnehmer
09.30 - 09.45 Uhr Klaus Barthelmeß, Köln, und Dr. Uwe Schnall, DSM: Begrüßung der Teilnehmer
09.45 - 10.30 Uhr Dr. Alfred Becker, Bremen: Hronæsban - whale bone. Material magic and runic magic associated with an Anglo-Saxon whale bone casket of ca. 700 AD, the so-called Franks Casket
10.30 - 11.15 Uhr Trausti Einarsson, Reykjavík, Island: Whale bone use in Iceland from the settlement period till World War II
11.15 - 11.30 Uhr Kaffeepause
11.30 - 12.15 Uhr Nicholas B. Redman, England: Practical and decorative uses of large whale bones
12.15 - 13.00 Uhr Selma Huxley, Chichester, England, und Dr. Michael Barkham, San Sebastián, Spanien: Basque whaling in the New World: three decades of archival research
13.00 - 14.00 Uhr Mittagspause
14.00 - 14.45 Uhr Klaus Barthelmeß, Köln: The earliest printed German whaling journal. Christian Bullen's daily record of a Hamburg whaling voyage to Spitzbergen and Northern Norway in 1667 (mit deutschsprachiger Präsentation des Neudrucks des ersten deutschen gedruckten Walfangjournals für Vertreter der Medien um 14.15 Uhr)
14.45 - 15.30 Uhr Dr. Jurjen R. Leinenga, Niederlande: 18th century whaling in Davis Strait
15.30 - 16.00 Uhr Kaffeepause
16.00 - 16.45 Uhr Stuart M. Frank, PhD, New Bedford, USA: "Monstrous pictures of whales": Images of the sperm whale, 1555-1874, and a final vindication "graven by the whalemen themselves"
16.45 - 17.30 Uhr Dr. Jean-François le Mouël, Paris, Frankreich: Heritage in the French subantarctic territory: Restoring the historic whaling station at Port Jeanne d'Arc, Kerguelen Islands
19.00 Uhr Abendessen im Weser Yacht Club Bremerhaven
20.30 Uhr "Illuminiertes" Konzert im Weser Yacht Club: Stuart M. Frank, PhD, New Bedford, USA: Richard III and the Gingham Gown; or, A Sailor’s Night on the Town
Sonntag, 1. Juni 2003 10.00 - 10.45 Uhr Dr. Ingo Heidbrink, DSM: Some parallels between whale catcher and fishing vessel design
10.45 - 11.30 Uhr Prof. Dr. Helmut Dreizler, Kiel: Whaling for Onassis (on board "Olympic Challenger", season 1950/51)
11.30 - 12.00 Uhr Kaffeepause
12.00 - 12.45 Uhr Frank J. Sowa, Erlangen-Nürnberg: The Western idea of nature protection and people from remote areas: The case of whaling in Greenland and Japan
12.45 - 13.15 Uhr Dr. Ray Gambell, England: Management of whaling by the International Whaling Commission
ca. 13.15 Uhr Schlussbemerkungen

Hinweis: Die Veröffentlichung des Info-Service ist kostenfrei. Wir bitten jedoch bei Druckmedien um Übersendung eines Belegexemplars.
Informationen zum Pressedienst des DSM


zurück