Deutsches Schiffahrtsmuseum
Unter
dem Titel „Das ostindische Abenteuer“ legt das Deutsche Schiffahrtsmuseum
(DSM) in Bremerhaven als Band 61 seiner wissenschaftlichen Schriftenreihe
eine bemerkenswerte Arbeit über Deutsche in Diensten der Vereinigten
Ostindischen Kompanie der Niederlande (VOC) vor. Der Autor Roelof van Gelder
hat für das ursprünglich nur in niederländischer Sprache
vorliegende Buch 47 Reiseberichte deutscher VOC-Angestellter aus dem 17.
und 18. Jahrhundert gesichtet und ausgewertet. Entstanden ist eine wissenschaftliche
Arbeit, die durch ihren leicht und angenehm lesbaren Stil – gerade in der
nun vorliegenden deutschen Fassung – auch für die breite Öffentlichkeit
interessant ist.
Die 1602 in Amsterdam gegründete Verenigde Geotroyeerde Oostindische Compagnie – Vereinigte Ostindische Kompanie, kurz VOC – baute in Ostasien rasch ein geradezu koloniales Imperium auf, das fast zwei Jahrhunderte Bestand hatte. In dieser Zeit dominierte die VOC mit staatsgleichen Befugnissen den Handel mit Gewürzen, Textilien, Porzellan, Kaffee, Tee und anderen Luxusgütern und hatte einen entsprechend gigantischen Bedarf an Arbeitskräften. Gebraucht und geworben wurden nicht nur Matrosen, sondern vor allem auch Kaufleute, Schreiber, Chirurgen, Packhausknechte usw. Der Reiz der fernen Welten, Abenteuerlust, aber auch finanzielle Not und andere Motive lockten oder trieben Männer aus ganz Europa auf die zwei- bis dreimal jährlich nach Ostasien auslaufenden Flotten der VOC. Mehr als eine Million Menschen beschritten diesen Weg. Die meisten von ihnen waren jedoch keine Niederländer, sondern zum überwiegenden Teil Deutsche.
Nur einige von ihnen haben Reiseberichte verfaßt, in denen das Erlebte bildreich resümiert wird. Ihre Schilderungen sind nicht nur nach den Maßstäben der damaligen Zeit in vielfacher Hinsicht außergewöhnlich. Sie beleuchten aufschlußreich, wie tief und nachhaltig der Eindruck dieser fremden Welten auf unsere Vorfahren war. Für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Frühen Neuzeit sind die Aufzeichnungen für uns heute von großer Bedeutung, da es zu diesem Zeitabschnitt nur vergleichsweise wenige überlieferte Quellen gibt.
Der
niederländische Autor Roelof van Gelder, der mit dieser Arbeit 1997
an der Universität Amsterdam promoviert wurde und bereits wiederholt
als Verfasser von Büchern zur Geschichte Amsterdams und der Geschichte
der VOC in Erscheinung getreten ist, arbeitet dieses bislang nicht hinreichend
beachtete Gebiet mit wissenschaftlicher Gründlichkeit auf hohem Niveau
auf. Die besondere Bedeutung der ursprünglich auf niederländisch
erschienenen Arbeit van Gelders gerade für die deutsche Forschungslandschaft
hat das Deutsche Schiffahrtsmuseum bewogen, sich für eine leicht überarbeitete
deutsche Ausgabe einzusetzen, die von Stefan Häring aus dem Niederländischen
übersetzt und von Dr. Albrecht Sauer und Erik Hoops, Wissenschaftler
am DSM, herausgegeben wurde.
Das großformatige Buch „Das ostindische
Abenteuer. Deutsche in Diensten der Vereinigten Ostindischen Kompanie der
Niederlande (VOC), 1600–1800“ von Roelof van Gelder ist als Band 61 der
wissenschaftlichen „Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums“ im Convent
Verlag, Hamburg, erschienen (ISBN 3-934613-57-8). Der Band umfasst 272
Seiten und ist durchgehend illustriert. Er ist zum Preis von EUR 39,90
im Buchhandel oder im Museumsshop des DSM erhältlich.
Hinweis: Die Veröffentlichung
des Info-Service ist kostenfrei. Wir bitten jedoch bei Druckmedien um Übersendung
eines Belegexemplars.
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