Das Ende der Einsamkeit
DSM gibt umfangreiche
Publikation zur Geschichte der Kommunikation auf See heraus
Abertausende mutiger
Seefahrer machten sind in der Vergangenheit auf, die Ozeane zu
überqueren.
Sobald sie die Küste hinter sich ließen, umfing sie ein
banges Gefühl der
Einsamkeit. Es gab keine Nachrichtenverbindung zum Land. Was blieb war
die
Hoffnung auf eine glückhafte Reise -
und
eine Wiederkehr nach langem Schweigen.
Zahllose
Tragödien auf hoher See sind bis auf den heutigen Tag nicht
bekannt, und erst
nach Beendigung einer meist entbehrungsreichen, oft monatelangen,
manchmal
sogar jahrelangen Reise konnten Kapitän, Mannschaft und Passagiere
über die
wirklichen Geschehnisse an Bord glaubhaft berichten.
Eine
Schiffsreise zu unternehmen bedeutete über Jahrhunderte stets ein
lebensbedrohliches Ereignis mit ungewissem Ausgang, eine Hilfe von
anderen
Schiffen oder von Land war kaum zu erwarten – Ausnahmesituationen, in
die sich
die Menschen selten freiwillig begaben.
Der Wunsch, mit einem
Schiff in
den unendlichen Weiten der Meere in Verbindung zu bleiben oder sich mit
anderen
Schiffen über größere Entfernungen zu
verständigen, beherrschte die Seefahrer
und die an Land gebliebenen gleichermaßen. Wer heute eine
Seereise unternimmt,
dem stehen an Bord alle nur denkbaren Kommunikationstechniken
uneingeschränkt
zur Verfügung. Er kann sicher sein, dass, sollte er einmal – wo
auch immer – in
Seenot geraten, ein einfacher Knopfdruck genügt, um
Rettungsorganisationen an
Land und andere Schiffe zur Hilfeleistung anzufordern.
Dabei stellte noch
vor 100 Jahren
die Fahrt über die hohe See ein nicht zu unterschätzendes
Risiko mit ungewissem
Ausgang dar. Es schien so gut wie unmöglich, mit einem Schiff auf
See sicher zu
kommunizieren.
Während im
Schiffbau eine stete
Entwicklung stattfand, blieben die Kommunikationsmittel und –verfahren
in der
Seefahrt lange auf einem fast mittelalterlichen Stand. Erst mit dem
Einsatz der
drahtlosen Telegrafie auf See gelang es endlich, eine internationale
Ordnung zu
schaffen. Erstmals in der Geschichte der Seefahrt nahm man
Unglücksfälle auf
See nicht mehr fatalistisch hin. Vielmehr entwickelte sich sogar der an
humanitären Werten ausgerichtete Gedanke, die Funktechnik
vorrangig in den
Dienst der Sicherheit des menschlichen Lebens auf See zu stellen.
Daraus ist
das weltweit größte Seenot-Funksystem auf der Frequenz 500
kHz entstanden, das
erst 1999 durch das satellitengestützte GMDSS endgültig
ersetzt wurde.
Detlef Hechtel
zeichnet in seinem
Buch diese Entwicklung nach und geht dabei insbesondere auf die
Wendepunkte
ein, die einen verbesserten Einsatz der vorhandenen und aufgrund der
Geschehnisse noch zu entwickelnden Kommunikationsmittel notwendig
machten.
Dass diese Wendepunkte häufig die Öffentlichkeit bewegende
Schiffskatastrophen
mit vielen Opfern waren, wie 1875 der Untergang der DEUTSCHLAND im
Ärmelkanal, der TITANIC 1912, der PAMIR 1957
oder der MÜNCHEN 1978, ist tragisch, zeigt aber – legt man heutige
Standards
zugrunde – welche Fortschritte dem Menschen auf dem Gebiet der
Nachrichtenübermittlung zur See schließlich gelungen sind.
Der Autor:
Detlef Hechtel,
Jahrgang 1949,
schlug nach seiner Lehre als Fernmelder 1970 die Laufbahn eines
Funkoffiziers
ein. An den Seefahrtsschulen Elsfleth und Bremen erwarb er die
Seefunkzeugnisse
2. und 1. Klasse. Nach elfjähriger Seefahrtszeit auf
Handelsschiffen in der
weltweiten Fahrt wechselte er 1982 in den Küsten- und
Peilfunkdienst zu
Norddeich Radio. Von 1988 an war er Leiter der Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit des Fernmeldeamtes 6 (ehemals Funkamt) der
Deutschen
Bundespost. Heute ist er Chefredakteur einer Zeitschrift für Aus-
und
Weiterbildung der Deutschen Telekom in Hamburg.
Detlef
Hechtel
Das Ende der Einsamkeit
Zur Geschichte der Kommunikation auf
See
Schriften des Deutschen
Schiffahrtsmuseums, Band 65
328 Seiten, Großformat, reich
illustriert (187 Abbildungen, davon 61 in Farbe),
in Kunstleinen gebunden, mit farbigem Schutzumschlag
EUR 49,90 ISBN
3-934613-90-X
Das Buch ist auch im Museumsshop des DSM
erhältlich!