Deutsches Schiffahrtsmuseum

Presse-Info-Service

Info Nr. 14/98 vom 06.08.1998

Aus dem Tagebuch einer Schiffsfunkerin und die Forschungsergebnisse einer Archäologin

Zwei neue Bücher aus dem Deutschen Schiffahrtsmuseum im Hamburger Kabel Verlag erschienen

Die wissenschaftliche Redaktion des Deutschen Schiffahrtsmuseums (DSM ) in Bremerhaven hat ihre neuesten Arbeitsergebnisse vorgelegt. Im ersten Halbjahr 1998 sind zwei Bände herausgekommen, demnächst folgen zwei weitere wissenschaftliche Publikationen.

Der Vorschlag, das Thema "Eisenzeitliche Schiffsausrüstung im Bereich von Nord- und Ostsee" für die Dissertation zu wählen, stammte vom geschäftsführenden Direktor des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Professor Dr. Detlev Ellmers. Kirsten Langenbach, die in Münster und Kopenhagen Ur- und Frühgeschichte, Nordistik und Alte Geschichte studiert hatte, griff die Anregung sofort auf. Im Juni 1991 legte die damals 29jährige ihre Arbeit an der Philosophischen Fakultät der Universität Münster vor. Daraus wurde jetzt ein schönes Buch.

Obwohl Kirsten Langenbach inzwischen längst (seit 1992) als Stadtarchäologin in Finsterwalde tätig ist, somit einen ganz anderen Bereich der Ur- und Frühgeschichte beackert und die neuesten Forschungsergebnisse in der maritimen Archäologie nur noch sporadisch verfolgen konnte, stimmte sie dem Vorschlag der wissenschaftlichen DSM-Redaktion, ihre Dissertation als Band 49 der Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums einem breiten Publikum zugänglich zu machen, nach reiflicher Überlegung zu: Sie hatte sich davon überzeugen können, daß die Arbeit auch nach sechs Jahren immer noch, wie sie im Vorwort schreibt, "relevante Ergebnisse" enthält. Wovon sich der interessierte Leser nun selbst überzeugen kann: Ihr Werk ist kürzlich als prächtiger, reich illustrierter und sorgfältig edierter Band im Hamburger Kabel-Verlag erschienen.

Über Schiffsbautraditionen - skandinavische, mitteleuropäische, slawische und mittelmeerische - ist in den letzten drei bis vier Jahrzehnten viel geforscht und veröffentlicht worden. Die Ausrüstung jedoch, also jene Teile, die zum Betrieb eines Schiffes und zum Leben an Bord unerläßlich sind, geriet dabei nur selten ins Blickfeld der Wissenschaft. Kirsten Langenbach hat diese Lücke ausgefüllt: Sie widmete sich erstmals ausschließlich den Details wie Steuerrudern, Ankern, Laufplanken, Beibooten, Ölfässern, Paddeln und Riemen, Besegelung, Manövern auf See, dem täglichen Leben der Mannschaft, Landeplätzen und Landemanövern und untersuchte grundlegend das archäologische Fundmaterial sowie schriftliche, bildliche und ethnologische Quellen für Mittel- und Nordeuropa unter Einbeziehung der britischen Inseln. Zeitlich ist der Rahmen nach erweitertem skandinavischem Muster von 500 v.Chr. bis 1200 n.Chr. gesteckt. Er reicht deswegen so weit ins Mittelalter hinein, weil nicht das Ende der Wikingerzeit in der Mitte des 11. Jahrhunderts eine deutliche Entwicklungsgrenze markiert, sondern erst die veränderte Schiffbautechnik im 13. und 14. Jahrhundert.

Frauen in der Seefahrt, in einer reinen Männerwelt, wie man denken sollte, gehören heute noch, sieht man einmal vom Servicepersonal wie den Stewardessen ab, zu den raren Ausnahmen. Länger als sieben Jahre, von 1970 bis 1977, fuhr Hannelore Engelken aus Hamburg als Funkerin und ab 1974 als Funkoffizier zur See. Ihre Examina bestand sie mit Glanz und Gloria, obwohl ihre Gedanken während des Studiums oft genug zu ihrem Lebensgefährten und späteren Ehemann abschweiften, zu Kapitän Horst Engelken, mit dem sie die meisten Reisen gemeinsam absolvierte. Zu der Intelligenz gesellten sich bei ihr zwei weitere Eigenschaften, die nun ihrer Leserschaft zugute kommen: Erzähltalent und ein phänomenales Gedächtnis. Ihr Buch "Zwischen Hamburg und Yokohama. Aus dem Tagebuch einer Schiffsfunkerin", das die wissenschaftliche Redakteurin Ursula Feldkamp für das Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven jetzt im Hamburger Kabel Verlag herausgegeben hat, ist ein einziges Lesevergnügen.

Hannelore Engelken (Mädchenname Jasper) lernte die Seefahrt keineswegs nur von der Sonnenseite kennen. Auf den oft betagten Frachtern fand sie kaum Luxus vor. Aber sie verstand es, sich den Gegebenheiten an Bord anzupassen, und vor allem bewies sie beim Zusammenleben mit den aus verschiedenen Nationen zusammengewürfelten Schiffsbesatzungen großes Einfühlungsvermögen.

Ursula Feldkamp schrieb in ihrem Vorwort: "In ihrer Position als einzige Frau in der Offiziersriege hatte Hannelore Engelken den Kolleginnen auf anderen Schiffen gegenüber einen Vorteil: An Bord war sie häufig nicht nur die Funkerin, sondern gleichzeitig die 'First Lady', denn auf vielen Reisen war ihr Lebensgefährte der Kapitän. Umso wertvoller sind ihre geschilderten beruflichen Erfahrungen von Bord der Schiffe, auf denen sie ohne ihren Mann fuhr. Hier wird ihre Position als 'Exotin' in einer Männergesellschaft besonders deutlich."

Kirsten Langenbach: "Eisenzeitliche Schiffsausrüstung im Bereich von Nord- und Ostsee", Hrsg. Uwe Schnall, Band 49 der Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums. 220 Seiten, 116 Abbildungen, Format 27 x 21 cm. Kabel Verlag, Hamburg. 78 DM.
Hannelore Engelken: "Zwischen Hamburg und Yokohama. Aus dem Tagebuch einer Schiffsfunkerin". Für das Deutsche Schiffahrtsmuseum herausgegeben von Ursula Feldkamp. 198 Seiten, 27 Abbildungen, Format 22 x 14,5 cm. Kabel Verlag, Hamburg. 32 DM.

Hinweis: Die Veröffentlichung des Info-Service ist kostenfrei. Wir bitten jedoch bei Druckmedien um Übersendung eines Belegexemplars.


zurück