Deutsches Schiffahrtsmuseum

Presse-Info-Service

Info Nr. 08/99 vom 15.06.1999

Komm mit auf die Bremer Hansekogge!

Deutsches Schiffahrtsmuseum hat eine neue populäre Schrift über den weltweit bedeutendsten mittelalterlichen Schiffsfund herausgegeben - Neuer Renner im Museumsshop

Die Bremer Hansekogge von 1380 (damit ist sie respektable 619 Jahre alt) steigt zwar bei weitem nicht so schön und anmutig aus ihrem Konservierungsbad auf wie Aphrodite, die Schaumgeborene, in der Antike aus ihrer Muschel, aber sie zieht - und darin gleicht sie der Göttin der Liebe in der griechischen Mythologie - gegenwärtig viel öffentliche Aufmerksamkeit auf sich und auf das Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven. Bundesweit beschäftigen sich die Medien mit dem mittelalterlichen Schiff, das die Wissenschaft als einmalig auf der Welt bewertet und für dessen Erhaltung das DSM das schwierige Ringen nach exakt 36 Jahren und fünf Monaten gewonnen hat. Auch der DSM-Museumsshop profitiert inzwischen vom Kogge-Boom: Die kürzlich erschienene, leicht lesbare Schrift "Komm mit auf die Hansekogge!" entwickelt sich immer mehr zu einem Renner.

Verfasser Harald Focke lebt in Bassum, ist Studiendirektor am Gymnasium Sulingen und betätigt sich nebenher erfolgreich als Schulbuchautor. Die Bremer Hansekogge fasziniert ihn bereits seit Jahren. In unregelmäßiger Folge erschienen darüber in der Zeitschrift "Geschichte lernen" Berichte, die er seiner Publikation zugrunde gelegt hat. Focke erzählt die Historie der Kogge von Beginn an: wie eine Schmelzwasserflut im Frühjahr 1380 am Bauplatz in Bremen den fast vollendeten Neubau aus der Vertäuung riß, wie das Schiff vier Kilometer weiter in einem Seitenarm der Weser in Sand und Schlick versank, wie das Wrack 582 Jahre später, am 8. Oktober 1962, bei Hafenbauarbeiten entdeckt und von Dr. Siegfried Fliedner, Leiter der Schiffahrtsabteilung am Bremer Focke-Museum, als Kogge identifiziert wurde. Mit Fliedners Diagnose, die sich als Volltreffer erwies, war die schiffsarchäologische Sensation perfekt. Sie wirkt bis heute nach.

Selbstverständlich geht Focke auch auf wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse ein, so auf die Ermittlung des Baujahres 1380 mit der gesicherten Methode der Dendrochronologie, also der Altersbestimmung mittels der Jahresringe des verarbeiteten Holzes. Einen eigenen Abschnitt widmet er dem im Wrack gefundenen Schuh eines Koggebauers, den Schüler, aber auch Erwachsene nach dem in der Heftmitte abgedruckten Schuh-Schnittmusterbogen ohne größere Schwierigkeiten rekonstruieren können. Noch viel spannender: Der Schrift liegt der Kogge-Modellbaubogen des Deutschen Schiffahrtsmuseums bei - quasi als Gratiszugabe.

Die Koggen segelten nach heutigen Begriffen auf einem erstaunlich großen Fahrtgebiet an den Küsten der Nord- und der Ostsee. Wie die meist der Schrift unkundigen Kapitäne nach mündlich überlieferten Segelanweisungen navigierten, auch darüber kann Focke aufgrund der vorliegenden Forschungsergebnisse in leicht verständlicher Form und dennoch umfassend Auskunft geben, ebenso über das Arbeits- und Bordleben. Die Bremer Hansekogge von 1380 besaß schon ein Kastell, das Schutz bot gegen überkommende Seen, in dessen Inneren aber vermutlich nur der Kapitän und womöglich mitreisende Kaufleute nächtigen durften. Die übrigen Besatzungsmitglieder mußten ihr Lager auf dem offenen Deck aufschlagen, eingehüllt in Schlafsäcke aus Seehundfellen mit der Pelzseite nach innen.

Die reich bebilderte Schrift "Komm mit auf die Hansekogge!" ist unter der Herausgeberschaft des Deutschen Schiffahrtsmuseums in der Reihe maritim im Verlag der Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik, Berlin/Diepholz, erschienen. Sie ist zum Preis von 9 DM beim Deutschen Schiffahrtsmuseum, Hans-Scharoun-Platz 1, 27568 Bremerhaven, Telefon 0471-48207-0, Fax 0471-48207-55, oder im Buchhandel erhältlich.

Hinweis: Die Veröffentlichung des Info-Service ist kostenfrei. Wir bitten jedoch bei Druckmedien um Übersendung eines Belegexemplars.

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