
Hildegard
Morche
Seemanns Braut ist die See
Eine Ehe zwischen Abschied und Wiedersehen
Verlag Die Hanse, Hamburg
1997, 180 S., gebunden
EUR 15,20
Zum Inhalt:
Als die 16jährige Hilde 1950 einen
Seemann kennenlernt, ahnt sie noch nicht, welch schweres Los ihr diese
Liebe bescheren wird. Es erscheint ihr selbstverständlich, daß
Ernst die Seefahrt nach der Heirat über kurz oder lang an den Nagel
hängen wird, um ein normales Familienleben zu ermöglichen. In
einem schmerzlichen Prozeß muß sie als seine Ehefrau und Mutter
von drei Kindern jedoch feststellen, daß die Arbeit auf See für
Ernst mehr ist als ein Job. Obwohl auch er unter den langen Trennungen
von seiner Frau und später von seinen Kindern leidet, bleiben seine
Versuche, an Land zu gehen, halbherzig.
Damit müssen auch die Bemühungen
Hildegard Morches, für den Funkoffizier eine Arbeit an Land zu finden
und ihn in die Familie zu holen, fehlschlagen. Die angebotenen Jobs sind
wenig lukrativ und seine meist spontan vorgetragenen Wünsche nach
einem geregelten Familienleben von Wankelmut geprägt. Ihn macht das
Leben an Land buchstäblich krank. Fast jedes Jahr verbringt er Weihnachten
unfreiwillig auf See, auf den Frachtschiffen MILLERNTOR, DAMMTOR und später
auf der ASTRID. Bei der Geburt seines ersten Kindes ist er nicht dabei,
bei der Renovierung der gemeinsamen Wohnung ebensowenig, selbst Umzüge
bewältigt Hildegard Morche auch noch mit drei kleinen Kindern allein.
Während sie ihren einsamen Seemannsfrauenalltag in den ersten Ehejahren
als bedrückend empfindet, gelingt es ihr nach der Geburt ihrer Kinder
immer mehr, sich mit den berufsbedingten Trennungen von ihrem Mann abzufinden.
Nach dem Tod ihres Mannes begann Hildegard
Morche, ihr Leben mit ihm aufzuschrieben. Entstanden ist eine anrührende
und gleichzeitig kurzweilig zu lesende Dokumentation über ein Leben
voller Unwägbarkeiten, verursacht auch durch zuweilen rücksichtslose
Personalentscheidungen der Reedereien, bei denen ihr Mann angestellt war.
Deutlich wird dabei, wie wichtig den Seemannsfamilien eine großzügig
gehandhabte Mitreiseerlaubnis für Frauen und Kinder ist. Mit der Möglichkeit
unbegrenzter Reisen auch für die Kinder Ende der 60er Jahre bei der
Reederei Transmarin konnten sich die Morches endlich mit dem seefahrenden
Ehemann und Vater arrangieren und dabei sogar ein harmonisches Familienleben
führen.
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