Hansekogge von 1380Deutsches Schiffahrtsmuseum

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Gesamtprogramm


Oscar Schulz
Im Strom der Gezeiten
Vom Windjammer-Moses zum Dampfer-Kapitän
Verlag Die Hanse, Hamburg
1998, 361 S., 42 Abb., gebunden
EUR 20,50   

Zum Inhalt:
Oscar Ludwig Schulz war 16 Jahre alt, als er 1891 – gegen den Willen seiner Mutter – seine Heimatstadt Essen/Ruhr verließ, um in Hamburg als Schiffsjunge auf einem Segelschiff anzuheuern. Auf seiner ersten Reise nach Rangoon taten Kapitän und Mannschaft der Bark LILLA alles Erdenkliche, um dem Moses Oscar, an Bord "Schmerzensreich" genannt, seine Liebe zur Seefahrt auszutreiben. Doch er blieb seinem Beruf treu, erwarb das Steuermanns- und schließlich auch das Kapitänspatent. Auf fünf Seglern, darunter einer amerikanischen Barkentine, und insgesamt zwölf Dampfern fühlte sich Schulz – mal mehr, mal weniger – zuhause. Die Erlebnisse seiner Reisen, die ihn nach Ostasien, Nord- und Südamerika und nach Australien führten, schrieb er im Jahre 1911 nieder. Er war inzwischen Teilhaber eines Schiffsausrüstungsgeschäfts in Rotterdam geworden und hatte eine Familie gegründet.
In seinen Seefahrtserinnerungen notiert Oscar Schulz nicht nur seine persönlichen Erlebnisse, sondern dokumentiert auch den technischen Wandel in der Seeschiffahrt sehr genau, erläutert dem Leser auf anschauliche Weise seine Arbeitsbereiche an Bord und gibt auch Auskunft über Arbeitsmittel, die heute in Vergessenheit geraten sind, wie zum Beispiel die Windmühle als Vorrichtung zum Lenzen des Schiffes.
Schulz sieht sich gewissermaßen als Zeitzeuge des technischen und wirtschaftlichen Umbruchs der Seeschiffahrt. Dabei bleibt er bei aller Begeisterung für das Segeln Realist und entscheidet sich für eine zukunftsweisende Offizierslaufbahn auf einem Dampfer, statt wie so viele seiner Berufskollegen der seemännischen Tradition unter Segeln zu huldigen. Schilderungen seiner Reisen als Vierter Offizier auf Passagierschiffen der Reederei Kosmos und des Norddeutschen Lloyd erschließen nicht nur das Berufsbild des Zahlmeisters, sie gewähren auch Einblicke in die Personalpolitik der Reedereien und den Alltag an Bord mit den individuellen Prägungen auf den jeweiligen Schiffen mit ihren hierarchischen Strukturen, denen sich Schulz durchaus nicht immer anpaßt, nicht einmal um den Preis seiner Karriere, die er seiner Überzeugung, seinem Gerechtigkeitsempfinden, aber auch seinem Dickschädel zu opfern bereit ist, und die er schließlich dank seiner beruflichen Tüchtigkeit doch als befahrener Kapitän vollenden kann.


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