
Joachim
Kaiser
Staatsdampfer SCHAARHÖRN
Von Majestäten und Gezeiten
Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums,
Band 48
Verlag Die Hanse, Hamburg
1998, 272 S., 214 Abb., davon 62 in Farbe,
Großformat, gebunden
EUR 40,–
ISBN 3-434-52539-4
Zum Inhalt:
Dies ist die wechselvolle Geschichte des
elegantesten Dampfschiffes der Niederelbe, das heute nach grundlegender
Restaurierung wieder ein Prunkstück des Hamburger Hafens und als Museumsschiff
in Fahrt ist.
Seine Besonderheiten, die es von anderen
historischen Dampfern unterscheiden, beginnen schon mit der Entstehungsgeschichte:
Die Hamburger Bürgerschaft genehmigte 1907 der Behörde für
Strom- und Hafenbau den Neubau eines Vermessungsschiffes zum Zwecke der
Elbvertiefung. Der Senat aber hatte offensichtlich etwas ganz anderes im
Sinn: Ein Luxusschiff wurde gebraucht, um Kaiser Wilhelm II. bei seinen
regelmäßigen Hamburg-Besuchen standesgemäß durch
den Hafen zu chauffieren. Und darüber wollte man lieber jedweden Disput
mit kritischen Bürgerschaftsabgeordneten vermeiden...
Und so entpuppte sich die SCHAARHÖRN
mitnichten als schlichtes Arbeitsfahrzeug, sondern als gediegenes Repräsentationsschiff,
ausgestattet mit dem Besten und Modernsten, was die Dampfmaschinentechnik
damals zu bieten hatte.
Es blieb dem Strombauamt allerdings nichts
weiter übrig, als den Neubau dennoch für Vermessungsarbeiten
in der Elbmündung einzusetzen, denn öffentlich geäußertes
Mißfallen der Parlamentarier und Rivalitäten mit der mächtigen
Schiffahrtsbehörde durchkreuzten die hochfliegenden Pläne. Dieser
Tätigkeit ist der Dampfer von Cuxhaven aus jahrzehntelang nachgegangen,
unterbrochen nur durch Kriegseinsätze. Während des Ersten Weltkrieges
feierte im Salon der SCHAARHÖRN ein Mariner seine Beförderung
zum Leutnant, der später als skurriler Poet berühmt werden sollte:
Joachim Ringelnatz. Und 1945 wurde der Dampfer zu dramatischen Einsätzen
auf die Ostsee abkommandiert. Im Rahmen der großen Evakuierung über
See hat das Schiff ungezählte Flüchtlinge heil in den Westen
transportiert.
Nach seiner Ausmusterung 1972 verschlug
es den Schiffs-Veteranen nach Schottland. Aus den spleenigen Plänen
eines Oldtimerfans, den Dampfer dort für Nobel-Charterfahrten umzubauen,
wurde aber nichts, und so lag er jahrelang in schmutzigen Hafenwinkeln
herum und verkam. Spannend ist die Geschichte seiner Wiederentdeckung.
Es bedurfte einiger Wunder und äußerst glücklicher Konstellationen,
bevor die SCHAARHÖRN zurück nach Deutschland und zur Restaurierung
auf die Werft kam.
Fünf Jahre dauerten dann die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen,
bis die heruntergekommene Schönheit wieder als Museumsschiff in Fahrt
gehen konnte. Bis in die Details liebevoll wiederhergestellt, wurde die
SCHAARHÖRN bald zum Publikumsliebling auf dem Wasser, ein Pilgerziel
für Shiplover und Dampf-Freaks, die von weither anreisen, eine schwimmende
und rauchende Hamburgensie, die auch den Cuxhavenern lieb und teuer ist.
Joachim Kaiser, der die SCHAARHÖRN
wiederentdeckte, sich maßgeblich für ihre Rückführung
und Restaurierung engagierte und sie anschließend als Kapitän
fuhr, hat die Lebensgeschichte des Dampfers parallel zur Restaurierung
über sechs Jahre hinweg akribisch erforscht und aufgeschrieben. Er
hat unendlich viel Material gesammelt und sich dem Thema von unterschiedlichsten
Seiten genähert. So ist es ihm gelungen, die buntschillernde Vergangenheit
des Schiffes in ihrem zeitgeschichtlichen Rahmen darzustellen, der auch
den weniger schiffsbegeisterten Lesern auf spannende und teilweise amüsante
Weise Zugang zum Thema verschafft.
Ganze Kapitel zu technischen Spezialthemen
haben ausgewiesene Experten beigesteuert, und Zeitzeugen berichten aus
erster Hand. Dazu besticht die Auswahl der Bilddokumente in ihrer Vielfalt
und Detailfülle.
Der Autor:
Joachim Kaiser, geboren 1947, hat an der
Küste durch diverse Fachpublikationen zu schiffahrtsgeschichtlichen
Themen, historischen Schiffen und deren Restaurierung einen Namen. Von
Beruf ist er Nautiker. Er ist viele Jahre als Kapitän auf seinem eigenen
Frachtschoner zur See gefahren und hat dabei im Jahre 1987 die SCHAARHÖRN
wiederentdeckt.
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